Der Rechtsanwalt in Frankreich: Der Avocat berät im französischen Recht vor Ort.


Über 50.000 französische Rechtsanwälte (Avocats) sind in Frankreich zugelassen.

Der in Frankreich zugelassene Rechtsanwalt ist bei der örtlichen Rechtsanwaltskammer (Ordre des Avocats) zugelassen. Es bestehen in Frankreich insgesamt 179 Rechtsanwaltskammern von sehr unterschiedlicher Größe.


Zur Zulassung muss der Anwaltsanwärter:

‚ÄĘ entweder einen franz√∂sischen Juraabschluss (Master) nach mindestens 4 Jahren, wobei viele Jurastudenten l√§nger studieren sowie das Bestehen einer Pr√ľfung nach 18-monatiger Ausbildung in der Rechtsanwaltsschule (CARPA) vorweisen,
 
‚ÄĘ oder als bereits in einem EU-Land niedergelassener Anwalt die Eignungspr√ľfung (meistens bestehend aus franz√∂sischem Standesrecht) beim Conseil National des Barreaux (CNB) in Paris bestehen bzw. eine dreij√§hrige T√§tigkeit (ohne Universit√§tsabschluss) in Frankreich nachweisen.


Der französische Rechtsanwalt gilt wie in Deutschland als Organ der Rechtspflege (auxiliaire de justice), da er im Rahmen des öffentlichen Dienstes der Justiz (mission de service public de la Justice) handelt.

Die franz√∂sischen Sitten sind noch stark von diesem Grundgedanken gepr√§gt und werden noch durch √§u√üere Zeichen kundgegeben: Die offizielle Anrede f√ľr franz√∂sische Rechtsanw√§lte (und Notare sowie Gerichtsvollzieher) in Frankreich lautet: "Ma√ģtre" und die Robe des franz√∂sischen Rechtsanwalts ist aufwendiger als die deutsche Robe.

Genauso wie in Deutschland sind die französischen Anwälte sowohl als Vertreter der Mandanten vor Gericht als auch als rechtliche Berater und Verfasser von Verträgen tätig. Bei der zunehmenden Komplexität der Sachverhalte und der Rechtsnormen nimmt die Beratungs- sowie Gestaltungsleistung des Rechtsanwalts einen immer wichtigeren Platz ein.

Die Postulationspflicht, welche in Deutschland vor Jahren aufgehoben wurde, hat in Frankreich bis heute noch Geltung: Hat der Mandant einen Rechtsstreit vor einem anderen Landgericht, als dem bei dem sein Rechtsanwalt zugelassen ist, wird im Regelfall der Rechtsanwalt die gesamten Schriftst√ľcke vorbereiten und auch vortragen, w√§hrend ein vor diesem Landgericht zugelassener Rechtsanwalt offiziell eingeschaltet wird (sog. Avocat postulant).

Die Verg√ľtung eines Rechtsanwaltes ist entgegen dem deutschen Recht in Frankreich nicht durch ein Rechtsanwaltsverg√ľtungsgesetz festgelegt. Der Gesetzgeber verbietet sogar die Festlegung einer Geb√ľhrentabelle durch Vorschriften. Die Geb√ľhrenvereinbarung wird immer individuell ausgehandelt: Pauschalen f√ľr vorhersehbare T√§tigkeiten, Stundens√§tze in den meisten F√§llen oder auch Kombination aus einem festen Satz und einer erfolgsabh√§ngigen Verg√ľtung (insbesondere bei gewissen Gerichtsverfahren). Eine reine erfolgsabh√§ngige Verg√ľtung ist entgegen der deutschen standesrechtlichen Bestimmungen unzul√§ssig.

Ein wichtiger Unterschied zur Praxis in Deutschland bildet auch die grunds√§tzliche Vertraulichkeit der Korrespondenz des franz√∂sischen Rechtsanwalts. Die Rechtsanw√§lte d√ľrfen daher z.B. geheime Verhandlungen f√ľr ihre Mandanten unter sich durchf√ľhren, ohne zu f√ľrchten, dass der Kollege sp√§ter die Korrespondenz beim Gericht offen verk√ľndet und den Gegner damit sch√§digt. Ausschlie√ülich die mit dem Vermerk "offiziell" ("officiel") versehenen Korrespondenzen des franz√∂sischen Rechtsanwalts unterliegen keiner Vertraulichkeit. Diese Besonderheit erweist sich in der Praxis oft als sehr n√ľtzlich, z.B. bei Vergleichsverhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer (siehe franz√∂sisches Arbeitsrecht.

Verglichen mit Deutschland gelten insgesamt sehr unterschiedliche Umgangsformen in Frankreich, sowohl mit dem Gericht als auch mit Kollegen. Es empfiehlt sich daher immer einen Avocat zu beauftragen, der diesen Umgang täglich praktiziert, mit den Gepflogenheiten vertraut ist und daher sofort ernst genommen wird.

F√ľr das Frankreich-Gesch√§ft eines deutschen Mandanten empfiehlt sich die Beauftragung eines franz√∂sischen Avocat, der zugleich als Rechtsanwalt in Deutschland zugelassen ist. Durch seine Kenntnisse der beiden Rechtsordnungen kann er das franz√∂sische, das deutschen und das internationale Recht bestens anwenden und infolgedessen die optimale Strategie f√ľr seinen Mandanten w√§hlen.

Unsere deutsch-französische Rechtsanwaltskanzlei bietet dem deutschsprachigen Mittelstand gerne diese Möglichkeit an.


Wenn Sie weitere Informationen √ľber die umfangreichen juristischen Dienstleistungen unserer Rechtsanwaltskanzlei im Bereich des franz√∂sischen Wirtschaftsrechts bzw. des deutsch-franz√∂sischen Rechts erhalten m√∂chten, k√∂nnen Sie jederzeit gerne unter der Woche mit uns √ľber unsere Kontaktseite sowie telefonisch unter der + 33 (0)3 88 10 17 40 Kontakt aufnehmen.